Dandy auf Japanisch - III -
Im dritten Eintrag dieser „Reihe“ schaffe ich es nun endlich auch auf den ersten Dandy, Prinz Genji, in Japan einzugehen.
Die Sage über den Prinzen Genji besagt, dass es mal einen Sohn eines Kaisers gab, der seine Mutter verlor. Seine Mutter war die Lieblingsfrau des Monarchen und starb aufgrund der zermürbenden Palastintrigen. Seit dem Tag, an dem seine Mutter starb wollte das Kind nur mit Frauen zusammen sein, die seiner Mutter glichen. Er verliebte sich in die zukünftige Kaiserin, die seiner Mutter verblüffend ähnlich gesehen haben soll und zeugte sogar ein Kind mit ihr. Danach soll er sich in ihre Nichte Murasaki verliebt haben, da sie ihrer Tante so glich und entführte sie. Er hofierte blutjunge Prinzessinnen und alte Damen, nahm die ehemalige Geliebte seines besten Freundes und die Witwe des verstorbenen Kronprinzen. Doch eines Tages ging er zu weit. Er verführte die Frau seines Halbbruders, des neuen Tennos. Ihre Schwester zwang Genji daraufhin ins Exil an den Strand von Suma, in der Nähe des heutigen Kobe. Dort brachte sie ihn in ein trübes und eintöniges Leben am düsteren Schoß der Natur, fern von der hauptstädtischen Eleganz. Kurz nachdem der Tenno[1] erkrankte holte er ihn in die Hauptstadt zurück. Das Kind, das er zuvor mit der Kaiserin gezeugt hat übernimmt kurze Zeit später den Thron. Infolgedessen wird Genji in Stand eines Kaisers im Ruhestand gehoben und ließ sich einen Palast mit vier Flügeln erbauen, von denen jeder eine Frau seines Herzens beherbergte.
Später heiratete er die Tochter des abgedankten Kaisers und erkennt dann aber, das Murasaki seine wahre große Liebe ist. Als sie Jahr später stirbt zieht sich Genji vom Hofleben zurück.
Diese Geschichte findet in einem Japan statt, wie wir es noch viel weniger kennen als das heutige. Damals gab es noch keine Teezeremonie, keine Geisha, kein Sushi und kein Bonsai. Der Kunsthistoriker J. Edward Kidder nennt diese Sage trotzdem „eine der japanischsten der gesamten japanischen Geschichte“[2]. Sie spielt in einer Gesellschaft, die sich nur um ihre eigene Achse dreht, die selbstverliebt und selbstvergessen lebt, in einer schönheitssüchtigen und melancholischen Epoche.
Die Autorin Murasaki begann nach dem Tod ihres Mannes zu schreiben. Man sagt, sie sei in die Geschichte eingetreten wie in eine neue Ehe. Ihr Vater hatte sich durch geschicktes einheiraten in den Hof eine gewisse Machtstellung „erarbeitet“ und kontrollierte seit Mitte des 9. Jahrhunderts den Kaiser selbst. Durch diese Zugehörigkeit zum Hofe erhielt sie Informationen aus erster Hand und verarbeitete diese in der Genji – Sage.
Es ist auffallend, dass die weibliche Hauptfigur und die Autorin den gleichen Namen tragen. Es war aber nicht so, dass die Autorin der Hauptfigur ihren Namen gab, sondern andersherum. Der Name der Autorin ist unbekannt. Man weiß nur, dass sie eine Hofdame der Kaiserin Shoshi war. Um sie zu benennen gab man ihr den Namen der Geliebten Genjis.
Die Prosa war das einzige Monopol der Frauen in der Heian-Zeit und dieses galt es zu nutzen. Denn zu dieser Zeit galten Frauen als minderwertig, zweitklassig und hatten nicht einmal einen Platz im Paradies der Buddhisten. Doch eben bei all diesen Beschränkungen erleichterte das neue Silbensystem manyogana, eine phonetische Wiedergabeschrift des Japanischen, es den Frauen die Freiheit der Schrift zu nutzen. Am Ende umfasst ihr Werk 54 Bände. Mehr als andere Weltklassiker wie „Don Quixote“ und ähnliche.
Der Prinz, den sie kreiert hat ist ein unerreichbares Ideal, der so schön ist, das man ihn auch „Leuchtenden Genji“ nennt. Er vollbringt keine tollen Taten und ist auch kein Held. Aber er ist besessen von Schönheit und Kunst und gleichzeitig voller Verachtung gegen die Natur und alles was nützlich ist. Er repräsentiert die Gesellschaft der Heian-Zeit. Als Murasaki um die Jahrtausendwende den Roman über die Geschichte eines Kaisersohns schreibt, macht sie ihn zur Ikone eines glanzvollen, selbstverliebten und melancholischen Zeitalters.
Dandy wird er deswegen genannt, weil Baudelaire den Dandy als einen Menschen beschreibt, dessen einziger Beruf Eleganz ist. Und dies passt wie in meiner Eintragsreihe auf die Gesellschaft der Heian-Zeit und auf Genji.
Bis heute wird diese Sage in der Literatur, in Mangas, Filmen usw. verarbeitet. In „Kafka am Strand“ lassen sich, wie auch im Seminar besprochen, Anspielungen darauf finden.
-THE END-
Literaturangaben zu den Einträgen Dandy auf Japanisch I, II und III:
Jörg-Uwe Albig: Heian-Zeit, um 1000: Am Hof der Sorglosen. In: Geo Epoche Nr. 21 (2006)
http://de.wikipedia.org/wiki/Dandy
http://de.wikipedia.org/wiki/Genji_Monogatari
http://www.randomhouse.de/book/excerpt.jsp?edi=117977

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