Benehmen auf Japanisch
Bevor ich meine Reise durch Japan offiziell starte möchte ich mir noch ein paar „Benimm-Regeln“ aneignen. Für mich als westlichen Besucher bietet dieses Land genügend Fettnäpfchen. Ich möchte versuchen, mit den folgenden regeln zumindest die häufigsten zu umgehen.
1. Das Verbeugen
Es wird von Touristen zwar nicht verlangt, bzw. erwartet, es macht aber immer einen besseren Eindruck, wenn man´s doch macht. Leider handelt es sich nicht nur um ein Verbeugen an sich. Zum Beispiel muss man einer höhergestellten Person den Kopf tiefer senken, als normal. Dazu gehört natürlich das in Japan obligatorische Lächeln.
2. Nase schnäuzen
Wenn bei uns das Schnäuzen erlaubt, ja sogar erwünscht ist und das „hochziehen“ eher als unhöflich gilt, so ist es in Japan genau umgekehrt. Die Lautstärke des Hochziehens kann hier beliebig gewählt werden, hier stört das keinen. Und wenn man unbedingt schnäuzen will, so sollte man das auf der Toilette oder zumindest für sich alleine wo machen.
3. Essensregeln
Die erste Vorraussetzung ist ja schon Mal, dass man mit Stäbchen essen können sollte. Hat man diese Hürde erfolgreich hinter sich gelassen, gilt es nur noch zu verhindern, die Japaner durch Unwissenheit bei einem gewöhnlichen Essen auf Totenrituale hinweisen. So lässt man zum Beispiel seine Stäbchen nicht in der Reisschüssel stecken, da so bei den Beerdigungen den Toten das Essen gebracht wird.
Außerdem darf man in Japan so essen, wie es unsere Mütter immer verboten haben: die Suppe wir hier nämlich lautstark geschlürft.
4. Direktheit
Direktheit im Gespräch gilt in Japan als vulgär. Man sollte hier also öfters die Zunge zügeln und mit seiner Meinung hinterm Berg bleiben. Hier wird sich vorsichtig an den Gesprächspartner herangetastet und dann evtl. auch kritisiert. Wobei sich hierbei in für uns verstandene Komplimente oftmals scharfe Kritik versteckt. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass hier Schweigen mehr wert ist als Gold. Eine durch Schweigen geäußerte Meinung ist in Japan oft schon Aussage genug.
Die Schuhregeln sollte man sich genauestens einprägen, da Japaner für solche Regelverstöße kein Verständnis aufbringen.
Die strikte Trennung von „Innen“ und „Außen“ führt dazu, dass man das „Innen“, z.B. Gasthöfe, Tempel, Privathäuser und andere Orte des Respekts nicht mit dem Schmutz von „Außen“, z.B. Alltagsschmutz verunreinigt.
Einer der größten Fehler, der passieren könnte wäre, wenn man mit den speziellen Toiletten-Schuhen durch die Wohnung läuft. – Ganz böse!!
6. Schlafen in der Öffentlichkeit
Schlafende Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln sind ein Massenphänomen. Sollte der Kopf eines erschöpften Japaners auf die Schulter seines Sitznachbarn sinken, so gilt es diese Situation möglichst zu ignorieren. Und am besten selber versuchen zu schlafen. Profis schlafen sofort ein, sobald sie ihren Sitzplatz erreicht haben und wachen bei der Ansage ihres Zielbahnhofes wieder auf. Das ist Perfektion!!
7. Sitzen
In Japan sitzt man auf dem Boden, das weiß man ja. Für Schneidersitz-Hasser könnte das zum Problem werden. Genauso für Frauen mit Rock. Ihnen bleibt nur der Nixen-Stil oder die Seiza-Position. Bei dieser Position sind die Knie auf dem Boden und der Hintern liegt auf den Fersen auf. Noch unbequemer, aber mit Rock geht es nicht anders. Die Seiza-Position wird bei der Tee-Zeremonie, bei Trinksprüchen und Gottesdiensten für alle Pflicht.
8. Baden
Der Japaner badet sehr gerne, in Mineralquellen, in öffentlichen Bädern oder daheim. Das wichtigste dabei ist die Sauberkeit. Bevor man das Bad betritt muss man sich gründlich mit Seife schrubben und wehe es gelangt etwas von der Seife ins Badewasser, so ist es fast genauso schlimm, als hätte man sich gar nicht gewaschen.
9. Komplimente
Japaner überhäufen sich gegenseitig mit übertriebenen Schmeicheleien, so ist zumindest der Eindruck der dabei für uns Westler entsteht. Das wäre allerdings eine Fehlinterpretation der japanischen Höflichkeit. Die korrekte Antwort auf ein Kompliment wäre höfliches widersprechen und zu einem späteren Zeitpunkt wäre ein Gegenkompliment über die hervorragenden Kochkünste der Gastgeberin oder über die Einzigartigkeit der Kultur angebracht.
10. Geschenke
In Japan gilt es als normal, dass auf ein Geschenk ein Gegengeschenk folgt. So sollte man zum Beispiel nie ein Geschenk vergessen, wenn man zum Essen eingeladen wurde. Dabei reicht schon ein Blumenstrauß oder dergleichen, die Geste zählt mehr als der Wert.
Sollte man jedoch in die verzwickte Lage kommen und ein Geschenk erhalten, ohne ein Gegengeschenk dabei zu haben, sollte man aus Höflichkeit ablehnen. Im Normalfall wird solange gedrängt, bis man das Geschenk annimmt.
Abschließend will ich noch festhalten, dass Japaner sich in der Öffentlichkeit nicht berühren, außer es muss unbedingt sein. Also zum Beispiel in der U-Bahn oder auf dem Trottoir. Es wäre also nicht angebracht, einem Japaner die Hand zu geben oder ihm freundschaftlich auf die Schulter zu klopfen.
Schuhfoto: http://www.geo.de/GEO/fotografie/50235.html?maction=img&context=day&img=275
Badefoto: http://www.barthe.net/jgallery/index.htm
Allgemeine Infos: http://www.geo.de/GEO/reisen/fernziele/2909.html?p=1


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